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"Halt! Hörst du nicht etwas pfeifen im Wald?" rief Felix ängstlich.
"Das war der Wind, der um die Bäume pfeift, geh nur rasch vorwärts, lange kann es nicht
mehr dauern."
"Ja, du hast gut reden wegen des Totschlagens", fuhr der Goldarbeiter fort. "Dich fragen sie,
was du hast, durchsuchen dich und nehmen dir allenfalls den Sonntagsrock und den Gulden
und dreißig Kreuzer. Aber mich, mich schlagen sie gleich anfangs tot. Nur weil ich Gold und
Geschmeide bei mir führe."
"Ei, warum sollten sie dich totschlagen deswegen? Kämen jetzt vier oder fünf dort aus dem
Busch, mit geladenen Büchsen, die sie auf uns anlegten, und fragten ganz höflich: ,Ihr
Herren, was habt ihr bei euch? und ,Machtet es euch bequem, wir wollens euch tragen
helfen, und was dergleichen anmutige Redensarten sind. Da wärest du wohl kein Tor,
machtest dein Ränzlein auf und legtest die gelbe Weste, den blauen Rock, zwei Hemden
und alle Halsbänder und Armbänder und Kämme, und was du sonst noch hast, höflich auf
die Erde und bedanktest dich fürs Leben, das sie dir schenken."
"So? Meinst du", entgegnete Felix sehr eifrig, "den Schmuck für meine Frau Pate, die liebe
Frau Gräfin, soll ich hergeben? Eher mein Leben; eher lass ich mich in kleine Stücke
zerschneiden. Hat sie nicht Mutterstelle an mir vertreten und seit meinem zehnten Jahre
mich aufziehen lassen? Hat sie nicht die Lehre für mich bezahlt und Kleider und alles? Und
jetzt, da ich sie besuchen darf und etwas mitbringe von meiner eigenen Arbeit, das sie beim
Meister bestellt hat; jetzt, da ich ihr an dem schönen Geschmeide zeigen könnte, was ich
gelernt habe, jetzt soll ich das alles hergeben und die gelbe Weste dazu, die ich auch von ihr
habe? Nein, lieber sterben, als daß ich den schlechten Menschen meiner Frau Pate
Geschmeide gebe!"
"Sei kein Narr!" rief der Zirkelschmied. "Wenn sie dich totschlagen, bekommt die Frau Gräfin
den Schmuck dennoch nicht. Drum ist es besser, du gibst ihn her und erhältst dein Leben."
Felix antwortete nicht. Die Nacht war jetzt ganz heraufgekommen, und bei dem ungewissen
Schein des Neumonds konnte man kaum auf fünf Schritte vor sich sehen. Er wurde immer
ängstlicher, hielt sich näher an seinem Kameraden und war mit sich uneinig, ob er seine
Reden und Beweise billigen sollte oder nicht. Noch eine Stunde beinahe waren sie so
fortgegangen, da erblickten sie in der Ferne ein Licht. Der junge Goldschmied meinte aber,
man dürfe nicht trauen, vielleicht könnte es ein Räuberhaus sein, aber der Zirkelschmied
belehrte ihn, daß die Räuber ihre Häuser oder Höhlen unter der Erde haben und dies müsse
das Wirtshaus sein, das ihnen ein Mann am Eingang des Waldes beschrieben.
Es war ein langes, aber niedriges Haus, ein Karren stand davor, und nebenan im Stalle hörte
man Pferde wiehern. Der Zirkelschmied winkte seinen Gesellen an ein Fenster, dessen
Läden geöffnet waren. Sie konnten, wenn sie sich auf die Zehen stellten, die Stube
übersehen. Am Ofen in einem Armstuhl schlief ein Mann, der seiner Kleidung nach ein
Fuhrmann und wohl auch der Herr des Karrens vor der Türe sein konnte. An der andern
Seite des Ofens saßen ein Weib und ein Mädchen und spannen. Hinter dem Tisch an der
Wand saß ein Mensch, der, ein Glas Wein vor sich, den Kopf in die Hände gestützt hatte, so
daß sie sein Gesicht nicht sehen konnten. Der Zirkelschmied aber wollte aus seiner Kleidung
bemerken, daß es ein vornehmer Herr sein müsse.
Als sie noch auf der Lauer standen, schlug ein Hund im Hause an. Munter, des
Zirkelschmieds Hund, antwortete, und eine Magd erschien in der Türe und schaute nach den
Fremden heraus.
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