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uns nicht überfallen. Ich für meinen Teil will, wenn nur noch einer mit mir hält, die ganze
Nacht wach bleiben."
"Das will ich auch!" "Ich auch", riefen die drei übrigen. "Schlafen könnte ich doch nicht",
setzte der junge Herr hinzu.
"Nun, so wollen wir etwas treiben, daß wir wach bleiben", sagte der Fuhrmann; "ich denke,
weil wir doch gerade zu vier sind, könnten wir Karten spielen, das hält wach und vertreibt die
Zeit."
"Ich spiele niemals Karten", erwiderte der junge Herr, "Darum kann ich wenigstens nicht
mithalten."
"Und ich kenne die Karten gar nicht", setzte Felix hinzu.
"Was können wir denn aber anfangen, wenn wir nicht spielen?" sprach der Zirkelschmied.
"Singen? Das geht nicht und würde nur das Gesindel herbeilocken; einander Rätsel und
Sprüche aufgeben zum Erraten? Das dauert auch nicht lange. Wißt ihr was? Wie wäre es,
wenn wir uns etwas erzählten? Lustig oder ernsthaft, wahr oder erdacht, es hält doch wach
und vertreibt die Zeit so gut wie Kartenspiel."
"Ich bins zufrieden, wenn ihr anfangen wollt", sagte der junge Herr lächelnd. "Ihr Herren vom
Handwerk kommt in allen Ländern herum und könnt schon etwas erzählen; hat doch jede
Stadt ihre eigenen Sagen und Geschichten."
"Ja, ja, man hört manches", erwiderte der Zirkelschmied, "dafür st udieren Herren wie ihr
fleißig in den Büchern, wo gar wundervolle Sachen geschrieben stehen; da wüßtet Ihr noch
Klügeres und Schöneres zu erzählen als ein schlichter Handwerksbursche wie unsereiner.
Mich müßte alles trügen, oder Ihr seid ein Student, ein Gelehrter."
"Ein Gelehrter nicht", lächelte der junge Herr, "wohl aber ein Student und will in den Ferien
nach der Heimat reisen; doch was in unseren Büchern steht, eignet sich weniger zum
Erzählen, als was ihr hie und dort gehört. Darum hebt immer an, wenn anders diese da
gerne zuhören."
"Noch höher als Kartenspiel", erwiderte der Fuhrmann, "gilt bei mir, wenn einer eine schöne
Geschichte erzählt. Oft fahre ich auf der Landstraße lieber im elendesten Schritt und höre
einem zu, der nebenher geht und etwas Schönes erzählt; manchen habe ich schon im
schlechten Wetter auf den Karren genommen, unter der Bedingung, daß er etwas erzähle,
und einen Kameraden von mir habe ich, glaube ich, nur deswegen so lieb, weil er
Geschichten weiß, die sieben Stunden lang und länger dauern."
"So geht es auch mir", setzte der junge Goldschmied hinzu, "erzählen höre ich für mein
Leben gerne, und mein Meister in Würzburg mußte mir die Bücher ordentlich verbieten, daß
ich nicht zu viel Geschichten las und die Arbeit darüber vernachlässigte. Drum gib nur etwas
Schönes preis, Zirkelschmied, ich weiß, du könntest erzählen von jetzt an, bis es Tag wird,
ehe dein Vorrat ausginge."
Der Zirkelschmied trank, um sich zu seinem Vortrag zu stärken, und hob alsdann also an:
Die Sage vom Hirschgulden
In Oberschwaben stehen noch heutzutage die Mauern einer Burg, die einst die stattlichste
der Gegend war: Hohenzollern. Sie erhebt sich auf einem runden steilen Berg, und von ihrer
schroffen Höhe sieht man weit und frei ins Land. So weit und noch viel weiter, als man diese
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